Nachdem ich – wie berichtet – 2018 Einiges ausprobiert habe, arbeite ich nun seit November 2018 an dem Geschäftsplan für ein vollständig kreislauffähiges Unternehmen mit Verantwortungseigentum und der gGmbH als Rechtsform (gemeinnützig). Es handelt sich um ein ganzheitlich nachhaltiges Unternehmen, dessen Ziel ist, eine andere Form von Kleidernutzung, einen Wertewandel in Zusammenhang mit Zeug, und so einen achtsamen Umgang mit Ressourcen zu fördern. Dabei beschäftigen mich konkret Fragen bezüglich Postwachstum und Kapitalismus, Unternehmensformen der Zukunft, Gesellschaftlicher Wandel und Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung und Identität durch Kulturstiftung. Wie kommen wir als Gesellschaft wieder zusammen? Was kann helfen, die Demokratie zu retten? Was gibt uns Halt? Wie passt das mit der Marktwirtschaft zusammen? Imageneering wird das von Jörg Metelmann in seinem Artikel in dem futurzwei Magazin (08/2019, S.26) genannt.
Wer sich alltäglich mehr oder weniger unbedacht einkleidet, mag diese Fragen im Kontext als weit hergeholt betrachten. Eins meiner Anliegen ist, eine Auseinandersetzung mit Kleidung wiederherzustellen. Wir haben durch das System der Fast Fashion und die Beschleunigung an sich in den letzten Jahrzehnten den Kontakt zu Grundsätzlichem, zu dem, was uns formt und Halt gibt, verloren. Kleidung ist hier das wohl am meisten verachtete und doch wichtigste Grundbedürfnis nach Nahrung. Sie reflektiert aktuellen Zeitgeist, kulturellen Status und politische Haltung, schützt, schmückt, zieht an, grenzt ab und sorgt für persönliches Wohlbefinden. Und das alles auf Basis der wohl kompliziertesten Zulieferkette überhaupt.

Ich erarbeite neben der Kleidung an sich mitsamt der zugehörigen Materialbeschaffung, versteht sich, und allen zugehörigen Kommunikationsmitteln wie Swing Tag, Drucksachen, Webseite auch die Satzung, die Vertriebsstruktur und Marketingstrategien. Das Geschäftsmodell ist ausführlich beschrieben, samt allem, was in einem Business Plan so vorkommt: Platzierung am Markt, Konkurrenz, Skalierbarkeit, KPI‘s, Finanzplan und mehr.

Konzept Auszug: „Die Art wie Mode/ Bekleidung konsumiert wird nachhaltig zu verändern ist unsere Vision. House of ZSA macht sich als kreislauffähiges Unternehmen , das dem Gemeinwohl dient, zur Aufgabe, eine neue Auseinandersetzung mit Mode zu initiieren, indem die Bekleidung individualisierbar ist und vom Hauptmaterial über Innenfutter bis zum Knopf kompromisslos kreislauffähig gestaltet, unter fairen Bedingungen produziert und leihweise mit eingeschränkter Kaufoption zur Verfügung gestellt wird. (..)

house of ZSA Detail
Details entwickeln…

Ein Produkt so gründlich zu gestalten braucht seine Zeit, ich möchte nämlich auch die Lebensdauer eines jeden Produktes deutlich verlängern. Zum Einen, weil sie bei dem Leasing Prinzip natürlich mehr Verschleiß ausgesetzt ist, zum anderen, um den NutzerInnen auf emotionaler Ebene eine verlängerte Nutzung des Stücks zu ermöglichen. Aktuell bin ich fast soweit, dass ich die ersten Musterteile produzieren lassen kann, um im Folgenden ein Fotoshooting durchzuführen. Die benötigte Anschubfinanzierung, um die Kollektion in je allen drei Grössen einmal produzieren zu lassen beläuft sich auf etwa €10000. Hierin sind Materialien und Produktionskosten enthalten, nicht aber die Kosten für meine Arbeit in der Produktentwicklung, auch nicht die Produktionsschnitte, die gehören zum Seed Investment, das ich von meinem monatlichen Gehalt abzwacke.

Großer Bestandteil meiner Recherche ist also auch, Fördermöglichkeiten durch zB Stiftungen oder vom Staat/ EU aufzutun – da Mode in Deutschland zum Konsumgütermarkt gehört und weder in den Bereich Kultur fällt, noch bei der Gruppe „Innovation“ mithalten kann, gestaltet sich das schwierig. Es bleiben als Option Wettbewerbe. Da gibt es einerseits Modewettbewerbe, die hervorragende DesignerInnen auszeichnen und in denen es um Prestige geht, die sich aber nur bedingt für Nachhaltigkeit aussprechen, manchmal eine Kombination von beidem erfordern. Der Nachteil an dieser Form ist, dass sie alle kein Geschäftsmodell auszeichnen, kleine Nischen darstellen und auf diese Weise das bisherige Prinzip des Modesystems beibehalten wird. Elitäre Mode-Marken, die für „Otto Normalverbraucher“ nicht zugänglich sind und nicht unbedingt alltagstauglich, und dann gibt es die „High Street“, das Fast Fashion System, das Kleidung vor allem als Konsumgut betrachtet. Zum Glück habe ich vor einigen Tagen den Start-Green Award entdeckt, der alle Branchen anspricht, und in dem es vor allem darum geht, zukunftsweisende Firmen zu fördern, die bestehende Missstände durch Umdenken verändern möchten. Die Bewerbungsphase hierfür endet am 25.7.2019 und ich strebe an, bis dahin das Konzept fertig zu haben. Konkret heisst das, alle Teile sind fertig und fotografiert, beschrieben und die Kosten errechnet. Parallel bin ich im Prozess, die Visuelle Strategie und Kampagnen für die Route auf dem Markt zu erarbeiten. Zum Glück habe ich anderweitig berufliche Erfahrung sammeln dürfen, als ich während meiner England Zeit an Kampagnen für FMCG im Luxussegment gearbeitet habe. 
Während ich als persönliche Deadline sowieso den 3.6. erkoren hatte, bin ich nun also unter Zeitdruck, und bereits in einem „Kreativtunnel“ (Robotermodus, wie manch eineR von Euch das nennt). 

Wir feiern dann im Spätsommer, wenn ich gewonnen habe…